Sonntag, 19. April 2009

Vorsorge: 3. Trinken

So leicht, wie es in unserem Supermarkt-System zu Lebensmittel­engpässen kommt, bricht die Trinkwasser­versorgung natürlich nicht zusammen. Dafür kommen wir normalerweise mehrere Wochen ohne Essen aus, aber nur einige Tage ohne Trinken.

Flüssigkeitsbedarf

Zu einem ordentlichen Notvorrat gehören deshalb auch Getränke. Mediziner empfehlen, täglich etwa 2 Liter zu trinken. Da das aber bei Sommerhitze und körperlicher Betätigung eher ein bisschen knapp kalkuliert sein kann, und zum Kochen zusätzliches Wasser vonnöten ist, sollte man ruhig 3 Liter Flüssigkeit pro Person und Tag rechnen. Dafür eignen sich vor allem Mineral­wasser­flaschen und Tetrapaks.

Hier als Vorschlag ein ausgewogener 30-Tage-Vorrat an Getränken für eine erwachsene Person:

30-Tage-Vorrat für einen Erwachsenen
Getränke
40 l Mineralwasser, evtl. natriumarm
40 l Stilles Wasser, mineralienarm
12 l Fruchtsaft
500 g Kaffee
250 g Schwarzer Tee

Leitungswasser

Zum Kochen von Tee, Kaffee oder einer warmen Mahlzeit eignet sich Mineralwasser übrigens nur bedingt. Der Geschmack wird nämlich etwas eigenartig. Man kann aber auch normales Leitungswasser bevorraten. Dazu benötigt man lebensmittel­echte Wasserkanister[1] oder ein Trinkwasser­fass[2] und Wasserentkeimer[3] in Form von Tabletten oder Tropfen auf Silberionen-Basis. Beides bekommt man in Outdoor- und Trekking­geschäften. Nach der anleitungs­gemäßen Benutzung eines solchen Sterilisations­mittels bleibt das Wasser für rund 6 Monate absolut trinkfähig. Den Geschmack beeinträchtigt die Entkeimung dabei nur, wenn der Wasserentkeimer zusätzlich zu den Silberionen noch Chlor enthält. Chlor dient aber lediglich dazu, die notwendige Wirkzeit bis zur Trinkbarkeit des Wassers von 2 Stun­den auf ½ Stunde zu verkürzen und ist für unsere Zwecke (Langzeit­konservierung) daher überflüssig.

Glas oder Plastik?

PET-Flaschen scheinen gegenüber Glasflaschen den Nachteil zu haben, dass sich synthetische Hormone aus dem Plastik lösen. Dafür kann man mit ihnen bei Sonnenschein im Sommer Wasser aus der Natur nach der SODIS-Methode kostenlos desinfizieren. Dazu filtert man aus dem Wasser zunächst die Schwebstoffe heraus, indem man es durch ein Tuch (auch Hemd oder T-Shirt), einen Teestrumpf oder einen Kaffeefilter in die Flaschen gießt. Ist eine Flasche zu ¾ voll, schüttelt man sie 20 Sekunden lang kräftig durch und füllt sie dann erst weiter auf. Danach legt man die vollen Flaschen gut verschlossen im Freien auf eine sonnige Fläche. Den Entkeimungs­dienst übernimmt dann das UV-Licht. Nach etwa 6-12 Sonnenstunden sind schädliche Mikroorganismen im Wasser getötet. Steht genügend Brennstoff zur Verfügung, kann man das Wasser alternativ auch 10 Minuten kochen. Achtung: Chemische Verun­reinigungen (Düngemittel, Industrierückstände etc.) werden mit beiden Metho­den nicht entfernt.

Wasserfilter

Wer im Notfall Wasser aus der Natur professionell und recht zuverlässig in Trinkwasser verwandeln möchte, dem sei ein Reise-Wasserfilter[4] mit Keramik-Filterkerze, Aktivkohle­einsatz und Handpumpe empfohlen. Solche Filter gibt es ebenfalls in Outdoor-Läden, kosten allerdings eine Stange Geld und reinigen mit der integrierten Filterkerze "nur" wenige Tausend Liter Wasser. Ersatz­filterkerzen kosten noch einmal etwa halb so viel wie das Gerät selbst. Etwas billiger sind Schwerkraftfilter[5] ohne Handpumpe. Tipp: Um eine fortwährende Verstopfung und nachfolgende Reinigung des Keramikfilters zu vermeiden und die Lebensdauer zu erhöhen, kann man das Ansaugrohr mit einem Kaffeefilter, einem Teestrumpf o.ä. schützen und damit gröbere Verschmutzungen schon vor dem Keramikfilter abfangen.

Einige weitere Methoden, um im Notfall an Trinkwasser zu kommen, finden sich in jedem guten Survival-Handbuch (Literatur­empfeh­lungen später in einem eigenen Beitrag).

  1. Trinkwasserkanister: z.B. Promens Faltkanister, 10 Liter (ca. 6 €)
  2. Trinkwasserfass: z.B. Curtec Weithalsfass, 65 Liter (ca. 65 €)
  3. Wasserentkeimer: z.B. Micropur Classic Flüssig für 1000 Liter (ca. 11 €)
  4. Wasserfilter: z.B. MSR Mini Works EX für 2000 Liter Wasser (ca. 105 €)
  5. Schwerkraft-Wasserfilter: z.B. Katadyn Camp für 20.000 Liter (ca. 85 €)
Autor: Root   
Thema:  Vorsorge
Veröffentlicht: 19.04.2009, 23:40 Uhr

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